Seit ein paar Tagen erlebe ich eine ziemliche Verunsicherung in meinem Beruf. Es geht darum, dass ich meine Authentizität, das wie ich eigentlich denke und fühle gerne mehr zeigen möchte. Aber da ist ein Glaubenssatz in mir, der immer wieder sagt, „Joanna, dieser Gefühlsausdruck ist zu roh, das zieht die anderen runter, davor haben die anderen Angst, das wirkt unsouverän und unprofessionell.“ Ich denke der Glaubenssatz ist entstanden, als ich zum ersten Mal als Jugendliche erlebt habe, dass ich in Gefühlen von Deprimiertheit, Antriebslosigkeit etc. nicht auf Einfühlsamkeit und Neugier meiner Peers gestoßen bin sondern auf Urteile und Zurückweisung in der Gruppe. Dennoch, in viel mehr Momenten meines Lebens habe ich trotzdem die Erfahrung gemacht, dass Menschen mir dankbar sind, wenn ich mich ihnen „roh“ zeige. Dass genau das zu Verbindung führt und neue Lebendigkeit im Kontakt herstellt.

Was ist das also, was mich jetzt in diesem Moment antriebslos fühlen lässt und so ein großes Bedürfnis nach Schutz auslöst? Als könnte ich mich der professionellen Welt nicht zumuten, wie es mir geht und mich erst wieder authentisch zeigen, wenn ich mich besser fühle. Es sind meine Urteile. Urteile gegen mich und die anderen. Und die Erfahrung aus meiner Jugendzeit sagt mir, wenn du anderen ungefiltert deine Urteile erzählst, entfernen sie sich von dir und du bleibst alleine. Sie stempeln dich dann ab und finden dich, tja, uninspirierend. Die Gewaltfreie Kommunikation, deren Grundintention ich so tief vertraue, hat mir etwas später dann einen spezifischeren Umgang mit Urteilen gelernt. „Drücke deine Urteile besser nicht im Konflikt zu anderen Personen aus, sondern sprich darüber, welches Gefühl und Bedürfnis du hast, auf das dich dieses Urteil hinweist. Das fördert die Beziehung. Deine Urteile artikuliere am besten außerhalb dieser Situation.“ sagt Marshall Rosenberg. Und ich habe erlebt, dass diese Fähigkeit tatsächlich eine Konfliktlösung massiv fördert. Dennoch habe ich begonnen durch diese Prägung meine Urteile immer mehr im Verborgenen zu behalten. Und ich wünsche mir ein Leben indem ich meine Authentizität ausschöpfe. Ich glaube dass mein innerer Antrieb dann wach wird, wenn ich in der Welt ich selbst sein darf und meinen Impulsen folge. Ein Leben, indem ich mir das selbst nicht erlaube hat keine Kraft und keine Attraktivität. Da unterdrücke ich das Leben ja förmlich. Was also ist mein Urteil jetzt gerade?

Das ich nicht ein Coach werden will, der entweder „männlich“, erfolgsorientiert und gewinnmaximierend coacht und auch kein Coach werden will, der „weiblich“, zart und nur um die Selbstliebe kreisend meine Coachees unterstützt. Und der Teil in mir, der wirklich krass gerne wo dazugehören möchte, und den Schutz davon erleben möchte, in eine einordenbare Gemeinschaft zu passen, drängt mich ganz schön stark dazu Muster und Vorlagen, die ich sehe, nachzuahmen. Da diese ja schon bewiesen haben, dass sie Erfolg bringen. Aber ich denke nicht, dass es den Erfolg bringt, den ich mir wünsche. Ich wünsche mir einen Erfolg dadurch, dass ich zu meiner eigenen Authentizität Kontakt halte. Dass ich daraus schöpfe und den Mut aufbringe Menschen, die mich dafür verurteilen, zwar zu hören, mich aber nicht von ihnen abbringen lasse. Das ist die Kraft, die meinen Antrieb wieder wach macht. Ich möchte mich für die Stimme in mir entscheiden, die überzeugt ist, dass Authentizität Verbindung herstellt. Verbindung zu den passenden Menschen.

Wie geht es dir mit deiner Authentizität? Ist sie für dich ein ähnlich wichtiges Anliegen? Was lässt dich antriebslos fühlen?