Liebe Künstlerin,

 

Kennst du das unangenehme Gefühl, dich für deine kreative Arbeit zu rechtfertigen?

 

Dann ist dir bestimmt auch Scham und Schuld bekannt, da Kunst zu machen ja gemeinhin als Privileg gilt. Vielleicht haben deine Eltern oder Großeltern auf sehr viel verzichtet, damit es dir besser gehen kann als ihnen? In weiterer Folge zerbrichst du dir vermutlich öfters den Kopf darüber „Was mache ich hier eigentlich? Wen interessiert das? Wie soll ich davon leben?“.

 

Künstlerinnen verkaufen ihre Arbeit oft nicht zuletzt aufgrund dieser mangelnden Fähigkeit sich zu positionieren stark unter ihrem Wert.

 

Als hochsensible Person belastet dich eventuell noch eine weitere Sache. Deine emotionale Anteilnahme an gesellschaftlichen oder politischen Missständen. Hier mein Tipp an dich, „Zuerst du selbst und dann die anderen“.

Du hast wahrscheinlich schon einmal die Sicherheitseinweisung vor dem Start eines Fluges gehört? Eltern werden darin dazu angehalten, bei Druckabfall in der Kabine ihre Sauerstoffmaske zuerst sich selbst und dann ihrem Kind anzulegen. Das Gehirn leidet in dieser Situation an Sauerstoffmangel, man wir langsam, geistig verwirrt oder verliert das Bewusstsein. Wenn du deine eigene Maske so schnell wie möglich anlegst, stellst du in dieser Situation sicher, dass deinem Kind zuverlässig geholfen werden kann.

Könnte diese Regel auch für deine Situation gelten? Ich rate dir dazu, dir zuerst ein starkes, selbstfürsorgliche Fundament aufzubauen und in weiterer Folge sorgsam zu prüfen, wozu deine Kapazitäten noch gut reichen. Deine Kunst zum Blühen bringen, den eigenen finanziellen Wohlstand etablieren und zum sozialen Wandel beitragen kann Hand in Hand gehen, solange du in erster Linie Sorge für deine eigenen Bedürfnisse übernimmst und auch die deiner Familie und Kollegen in Sicht behältst.

Ich habe mich entschieden Preise für meine Arbeit zu nehmen, die meine Konstitution von mir verlangen. Wenn ich billiger werde, muss ich mehr arbeiten, als mir das gut tut und dann zehre ich an mir und somit auch an meinen Beziehungen. Stell dir vor, du bist wie eine Schüssel und die Flüssigkeit in dieser Schüssel gleicht deiner Energie. Eigenverantwortung bedeutet gut darauf zu schauen, dass genug in dieser Schüssel ist. Wenn die Schüssel überquillt, gibst du gerne anderen, sogar mit einer riesengroßen Freude. Wird der Flüssigkeitsstand aber niedriger hast du Sorge „Hm, schaffe ich das noch, wenn ich das jetzt noch mache? XY wünscht sich/ mein Chef/Kunde verlangt von mir“. Die meisten von uns sind es gewohnt, von Menschen umgeben zu sein, die mehr aus ihrer Schüssel abschöpfen, als es ihre Konstitution eigentlich erlaubt. Dadurch halten wir es für normal, gestresst, erschöpft oder im zwischenmenschlichen Kontakt unaufmerksam oder gereizt zu sein. Ab und zu lässt sich das nicht verhindern, über einen längeren Zeitraum schaden wir uns und den Menschen in unserer Nähe damit. Sorge dafür, dass du dein Nehmen in Form deiner Preise aktiv gestaltest. Sonst wird dein Nehmen unkontrolliert erscheinen und es passiert leicht, dass du von anderen ungewollt nimmst, indem du zb. Aufmerksamkeit „raubst“ oder ihnen den letzten Nerv „stiehlst“.